Amazon ist in Europa kein einzelner Marktplatz, sondern elf. Jeder hat eigene Kunden, eigene Konkurrenz und eigene Regeln. Für Händler aus Deutschland und Österreich ist deshalb weniger die Frage, ob Amazon wichtig ist, sondern auf welchen Marktplätzen sich der Start lohnt und wie die Ware dort schnell genug ankommt.
In diesem Überblick findest Du alle Amazon-Marktplätze in Europa, Amazons Umsatz 2025 in Deutschland und Großbritannien und die Punkte, die Du für den Verkauf in mehreren Ländern klären musst: Umsatzsteuer, Produktpflichten und Logistik.
Das Wichtigste in Kürze
Amazon ist seit 1998 in Europa aktiv. Nach Deutschland und Großbritannien kamen Frankreich, Italien und Spanien dazu, seit 2020 hat Amazon sein Netz um kleinere Märkte erweitert. Laut Marketplace Pulse sind es heute elf europäische Marktplätze, einschließlich der Türkei (amazon.com.tr, seit 2018). Die Besucherzahlen zeigen, wie unterschiedlich groß sie sind:
| Land | Marktplatz | Start | Besuche im September 2026 | Mehr dazu |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland | amazon.de | 1998 | 400,1 Mio. | Marktplätze in Deutschland |
| Großbritannien | amazon.co.uk | 1998 | 350,0 Mio. | Marktplätze in UK |
| Frankreich | amazon.fr | 2000 | 185,0 Mio. | Marktplätze in Frankreich |
| Italien | amazon.it | 2010 | 213,5 Mio. | Marktplätze in Italien |
| Spanien | amazon.es | 2011 | 143,0 Mio. | Marktplätze in Spanien |
| Niederlande | amazon.nl | 2020 | 28,81 Mio. | Marktplätze in den Niederlanden |
| Schweden | amazon.se | 2020 | 13,36 Mio. | |
| Polen | amazon.pl | 2021 | 18,58 Mio. | |
| Belgien | amazon.com.be | 2022 | 21,64 Mio. | |
| Irland | amazon.ie | 2025 | 14,28 Mio. |
Besuche laut Similarweb. Auffällig: amazon.it hatte im September 2026 mehr Besuche als amazon.fr. Österreich und die Schweiz haben keinen eigenen Amazon-Marktplatz, Kunden dort bestellen zum Beispiel über amazon.de.
Amazon weist in seinem Geschäftsbericht nur wenige Länder einzeln aus. In Europa sind das Deutschland und Großbritannien. Alle anderen europäischen Märkte stecken zusammen mit weiteren Ländern im Posten „Rest der Welt“. Die Zahlen beziehen sich auf den Nettoumsatz, den Amazon dem jeweiligen Länder-Store zuordnet (Amazon Form 10-K).
| Nettoumsatz in Mrd. US-Dollar | 2023 | 2024 | 2025 | Veränderung 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 37,6 | 40,9 | 45,9 | +12,3% |
| Großbritannien | 33,6 | 37,9 | 43,2 | +14,2% |
| Japan (zum Vergleich) | 26,0 | 27,4 | 30,7 | +12,0% |
| Rest der Welt | 82,0 | 93,8 | 107,5 | +14,5% |
| Amazon gesamt | 574,8 | 638,0 | 716,9 | +12,4% |
Laut ECN wuchs Amazon 2025 in Deutschland und Großbritannien damit schneller als in den USA (+11,8%). Für Händler heißt das: Der deutsche Marktplatz ist nicht nur der größte in Europa, er wächst auch weiter zweistellig.
amazon.de ist der wichtigste Amazon-Marktplatz in Europa und für Händler aus dem deutschsprachigen Raum der natürliche Startpunkt. Wie stark deutsche Händler den Marktplatz nutzen, zeigt Amazons KMU-Report: 2024 verkauften rund 47.000 deutsche kleine und mittlere Unternehmen über Amazon, mehr als 80% davon auch ins Ausland. Ihr Exportumsatz erreichte 5,7 Milliarden Euro (About Amazon).
Einen eigenen österreichischen Marktplatz gibt es nicht. Österreichische Händler verkaufen über amazon.de und die anderen europäischen Marktplätze. Laut Amazon erzielten österreichische KMU 2025 mehr als 730 Millionen Euro Umsatz über Amazon, davon 641 Millionen Euro im Export, 6% mehr als im Vorjahr. 95% von ihnen verkaufen international.
amazon.co.uk ist nach Umsatz fast gleichauf mit Deutschland. Seit dem Brexit ist UK für Händler aus der EU aber ein Drittland: Zoll, britische Umsatzsteuer und eigene Produktkennzeichnung gehören dazu. Was das konkret bedeutet, erklären wir im Guide online nach Großbritannien verkaufen.
Die drei großen Märkte in Südwesteuropa gehören seit 15 Jahren und länger zum Amazon-Netz und sind Pflichtländer im Pan-EU-Programm (dazu unten mehr). Amazon weist ihren Umsatz nicht einzeln aus. Wie stark Amazon dort im Vergleich zu lokalen Plattformen ist, zeigen unsere Übersichten der Marktplätze in Frankreich, Italien und Spanien.
amazon.nl und amazon.com.be sind vergleichsweise junge Marktplätze, in denen Amazon gegen starke lokale Anbieter wie bol antritt. Für Pan-EU-Verkäufer werden sie trotzdem wichtiger: Seit dem 3. September 2026 braucht jedes Pan-EU-Produkt ein aktives Angebot in den Niederlanden, ab dem 26. Februar 2027 auch in Belgien (ChannelX). Mehr zum niederländischen Markt findest Du in unserer Übersicht der Marktplätze in den Niederlanden.
Die jüngsten Marktplätze sind kleiner, aber leicht zu erschließen, wenn Deine Angebote bereits auf den großen Märkten laufen. amazon.ie ist seit März 2025 online. Vorher kauften irische Kunden vor allem auf amazon.co.uk (Marketplace Pulse).
Verkaufst Du aus Deutschland oder Österreich an Privatkunden in anderen EU-Ländern, gilt eine EU-weite Schwelle von 10.000 Euro. Darüber berechnest Du die Umsatzsteuer des Ziellandes und kannst sie gesammelt über das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) melden (Your Europe).
Anders ist es, sobald Deine Ware in einem anderen EU-Land lagert, etwa im Pan-EU-Programm. Das Verbringen eigener Ware in ein anderes Mitgliedsland löst dort in der Regel eine Pflicht zur umsatzsteuerlichen Registrierung aus (Unternehmensserviceportal). Amazon verlangt für Pan-EU deshalb eine Umsatzsteuer-ID in jedem Land, in dem Deine Ware gelagert wird (Amazon).
Für Deutschland und Frankreich verlangt Amazon seit 2022 Registrierungsnummern für die erweiterte Herstellerverantwortung, zum Beispiel für Verpackungen, Elektrogeräte und Batterien. In Frankreich gelten zusätzliche Kategorien wie Textilien und Möbel. Fehlt der Nachweis, droht ein Verkaufsverbot auf dem Marktplatz (Lizenzero).
Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die EU-Produktsicherheitsverordnung. Jedes Online-Angebot muss unter anderem Hersteller mit Post- und E-Mail-Adresse, bei Herstellern außerhalb der EU die verantwortliche Person in der EU, Angaben zur Produktidentifikation sowie Warn- und Sicherheitshinweise in verständlicher Sprache enthalten (IHK Hannover).
Für die Frage, wie Deine Ware zu den Kunden kommt, gibt es vier gängige Modelle. Sie unterscheiden sich vor allem bei Kosten, Lieferzeit und steuerlichem Aufwand:
| Modell | So funktioniert es | Was Du beachten musst |
|---|---|---|
| Europäisches Versandnetzwerk (EFN) | Ware liegt bei Amazon in einem Land, Amazon versendet grenzüberschreitend in andere Länder (Amazon) | Höhere Versandgebühren für grenzüberschreitende Bestellungen, in der Regel keine Umsatzsteuer-Registrierung im Zielland nötig |
| Pan-EU-Versand durch Amazon | Amazon verteilt Deine Ware auf Lager in mehreren Ländern und versendet lokal | Aktive Angebote in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden, ab Februar 2027 auch Belgien. Umsatzsteuer-ID in jedem Lagerland |
| FBM aus einem zentralen Lager | Ein Fulfillment-Partner versendet alle Bestellungen aus einem Lager, für Amazon, Deinen Shop und weitere Marktplätze | Lieferzeiten ins Ausland realistisch einstellen, Versandkosten pro Land kalkulieren |
| FBM aus Lagern in mehreren Ländern | Ware liegt in mehreren Ländern bei einem Fulfillment-Partner, Kunden werden lokal beliefert | Umsatzsteuer-Registrierung in den Lagerländern, Bestandsplanung pro Lager |
Laut Amazon können Verkäufer mit Pan-EU bis zu 53% Versandgebühren sparen, weil statt grenzüberschreitender Tarife lokale Gebühren gelten (Amazon). Dafür bindet das Modell Deine Ware stärker an Amazon. Was FBA insgesamt kostet und wann FBM die bessere Wahl ist, liest Du in unserem Überblick zu Amazon FBA 2026 und im Vergleich FBA vs. FBM.
byrd übernimmt die Logistik für Deine Amazon-Bestellungen, Du behältst die Entscheidungen und den vollen Überblick. Seller Central wird direkt angebunden, byrd versendet Deine FBM-Bestellungen in der Regel noch am selben Tag. Bestellungen von amazon.de, amazon.fr, amazon.nl und amazon.pl lassen sich ebenso anbinden wie Dein Shop und weitere Marktplätze, auf Wunsch auch mit FBM Ship+.
Deine Ware kann in Deutschland, Österreich, Frankreich, Polen und Großbritannien liegen. Welche Standorte für Dein Sortiment sinnvoll sind, legst Du gemeinsam mit uns fest. Für Produkte, die bei FBA bleiben sollen, bereitet byrd die Ware nach Amazon-Richtlinien vor und beliefert die Amazon-Logistikzentren. Mehr dazu findest Du auf unserer Seite zum Amazon-Versand mit byrd und in unserem europäischen Fulfillment-Netzwerk.
Wie viele Amazon-Marktplätze gibt es in Europa?
Elf: Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Niederlande, Schweden, Polen, Belgien, Irland und die Türkei. Der jüngste ist amazon.ie, gestartet im März 2025.
Wie hoch war der Umsatz von Amazon in Deutschland 2025?
Amazon ordnete dem deutschen Store 2025 einen Nettoumsatz von 45,9 Milliarden US-Dollar zu, 12,3% mehr als 2024. Deutschland ist damit Amazons größter Markt außerhalb der USA.
Welcher Amazon-Marktplatz ist in Europa der größte?
Nach Umsatz ist es Deutschland mit 45,9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025, knapp vor Großbritannien mit 43,2 Milliarden US-Dollar. Andere europäische Länder weist Amazon nicht einzeln aus.
Brauche ich für jeden Amazon-Marktplatz eine eigene Umsatzsteuer-ID?
Nein, nicht automatisch. Versendest Du aus einem Land, kannst Du die Umsatzsteuer für Verkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern über das OSS-Verfahren melden. Lagert Deine Ware in einem anderen Land, etwa über Pan-EU, brauchst Du dort in der Regel eine Registrierung.
Was ist der Unterschied zwischen EFN und Pan-EU?
Beim EFN liegt Deine Ware in einem Land und Amazon versendet grenzüberschreitend. Bei Pan-EU verteilt Amazon die Ware auf mehrere Länder und versendet lokal, was Versandgebühren spart, aber Umsatzsteuer-Registrierungen in den Lagerländern erfordert.