Im Februar 2026 passierte in Polen etwas, das lange undenkbar schien: Temu erreichte laut den Reichweitendaten von Gemius/PBI Mediapanel mehr Menschen als Allegro. Ein halbes Jahr später sieht die Welt wieder anders aus. Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU eine Zollgebühr von 3 € auf günstige Pakete aus Drittstaaten, und im August 2026 lag Allegro laut Mediapanel mit 18,5 Millionen Nutzern pro Monat wieder klar vor Temu mit 12,8 Millionen. Die Geschichte zeigt zweierlei: Der polnische E-Commerce ist hart umkämpft, und am Ende gewinnt, wer schnell, verlässlich und lokal liefert. Hier erfährst Du, welche Online-Marktplätze in Polen 2026 zählen, was sie kosten und worauf Du beim Start achten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
Polen kauft online, und zwar immer mehr. Laut dem polnischen Statistikamt GUS haben 2025 69,7% der Menschen zwischen 16 und 74 Jahren online eingekauft, 2,3 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Der Gemius-Report „E-commerce w Polsce 2025“ kommt auf 78% der Internetnutzer, die online shoppen.
Auch der Umsatz wächst schnell. Im August 2026 lag der Anteil des Internethandels am Einzelhandelsumsatz laut GUS bei 9,0%, ein Jahr zuvor waren es 8,1%. Die Online-Umsätze stiegen im Jahresvergleich um 17,5%. Wichtig zur Einordnung: Diese Statistik erfasst nur Händler mit Sitz in Polen, ausländische Plattformen wie Temu oder Shein sind nicht enthalten.
Und die Marktplätze sind das Herz dieses Wachstums. Allein über Allegro liefen 2025 Waren im Wert von fast 70 Milliarden PLN. Drei Gewohnheiten polnischer Kunden solltest Du von Anfang an kennen:
Für Marken aus dem Ausland spannend: 41% der polnischen Internetnutzer kaufen auch in ausländischen Onlineshops, ein Jahr zuvor waren es 36% (alle drei Werte: Gemius 2025).
Ein Online-Marktplatz ist eine Plattform, auf der viele unabhängige Händler ihre Produkte an Endkunden verkaufen. Der Marktplatz stellt Reichweite, Zahlungsabwicklung und oft auch Versandoptionen, die Händler liefern das Sortiment. Preisvergleichsportale wie Ceneo oder reine Kleinanzeigenseiten zählen in diesem Artikel nicht dazu, sie stellen wir unten kurz vor.
| Marktplatz | Größe (laut Anbieter) | Stark in | Für Händler aus der EU |
|---|---|---|---|
| Allegro | 15,6 Mio. aktive Käufer in Polen (Juni 2026) | Alle Kategorien | Ja, Listings auf Polnisch |
| Amazon.pl | Keine Zahlen veröffentlicht | Alle Kategorien | Ja, über Amazon Seller Central Europa |
| Kaufland.pl | Über 2 Mio. Artikel zum Start (Aug. 2024) | Haus, Garten, Elektronik, Alltag | Ja, gleiches Konto wie kaufland.de |
| Empik | Über 30.000 Verkäufer, über 1 Mrd. PLN GMV (2025) | Haus, Sport, Beauty, Elektronik | Ja, Unternehmen aus der EU |
| Erli | 1,8 Mrd. PLN GMV, 34.000 aktive Verkäufer (2025) | Breites Sortiment | Direkt bei Erli anfragen |
| Zalando | Rund 52 Mio. aktive Kunden in Europa | Mode, Schuhe, Accessoires | Ja, über das Partner-Programm |
| Decathlon | Rund 398.000 Artikel von Partnern (Sept. 2026) | Sport und Outdoor | Ausgewählte Marken |
| Media Expert & Morele | Media Expert: 12,3 Mio. Nutzer (Mai 2026) | Elektronik und Haushaltsgeräte | Nur verifizierte Partner |
| Temu | 12,8 Mio. Nutzer pro Monat (Aug. 2026, Mediapanel) | Preisgünstiges Breitsortiment | Keine offenen Konditionen veröffentlicht |

Wer in Polen online verkaufen will, kommt an Allegro nicht vorbei. Die Plattform startete 1999 mit ihrer ersten Auktion und ist heute der mit Abstand größte Marktplatz des Landes. Laut Halbjahresbericht 2026 hatte Allegro Ende Juni 2026 15,6 Millionen aktive Käufer in Polen, also Menschen, die in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal dort eingekauft haben. Der Warenumsatz (GMV) in Polen lag im ersten Halbjahr bei rund 35 Milliarden PLN. Auf Allegro verkaufen laut Unternehmen mehr als 160.000 Händler.
Zwei Dinge machen Allegro besonders. Das Treueprogramm Allegro Smart! mit kostenlosem Versand hatte 2025 allein in Polen 7,5 Millionen Nutzer. Und fast jeder sechste Złoty wird über den hauseigenen Ratenkauf finanziert: Im zweiten Quartal 2026 lag der Anteil von Allegro Pay am GMV bei 16,4%. Zusätzlich betreibt Allegro mit One Box ein eigenes Netz aus mehr als 11.000 Paketautomaten.
So startest Du als Händler:in aus Deutschland oder Österreich: Unternehmen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum registrieren sich mit Handelsregisterauszug, Angaben zu wirtschaftlich Berechtigten und einem verifizierten Bankkonto. Wichtig: Das Angebotsformular unterstützt nur Polnisch als Ausgangssprache. Allegro übersetzt Deine Angebote dann automatisch für seine Marktplätze in Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Laut Allegros Verkäuferseite zahlen neue Händler aus dem Ausland in den ersten 90 Tagen keine Verkaufsprovision (Stand: September 2026).
Gebühren: Listings kosten nichts, fällig wird eine Provision je nach Kategorie, berechnet auf Preis plus Versand. Laut Allegro liegt sie zum Beispiel bei Elektronik zwischen 2,5 und 8%, bei Haus & Garten zwischen 4,5 und 11% und bei Beauty zwischen 8 und 10%.
Smart!-Badge: Für das begehrte Smart!-Label brauchst Du unter anderem eine gute Verkaufsbewertung und die vollen Allegro-Delivery-Optionen, also mindestens eine Lieferung an die Haustür und eine an Abholpunkt oder Automat. Wer aus Polen versendet, braucht außerdem eine polnische Retourenadresse. Allegros eigenes Fulfillment (One Fulfillment) setzt eine polnische Umsatzsteuernummer voraus.

Amazon kam spät nach Polen: Amazon.pl startete am 2. März 2021 mit über 100 Millionen Produkten, im Oktober 2021 folgte Prime. Logistisch ist Amazon im Land dagegen seit Jahren stark: Mit dem neuen Robotik-Standort in Dobromierz wird Amazon laut eigener Ankündigung vom März 2026 zwölf Fulfillment-Center in Polen betreiben und investiert zwischen 2026 und 2028 mehr als 5 Milliarden Euro. Kunden- oder Umsatzzahlen für Amazon.pl veröffentlicht Amazon nicht.
Für Händler, die bereits auf Amazon.de verkaufen, ist Amazon.pl der naheliegendste zweite Schritt, weil Konto, Prozesse und Tools gleich bleiben. Laut Amazons Gebührenseite liegen die Verkaufsgebühren je nach Kategorie meist zwischen 8 und 15%, der Professional-Tarif kostet 165,91 PLN netto pro Monat. Im Pan-EU-Programm ist Amazon.pl ein optionaler Marktplatz. Wenn Du Amazon-Bestellungen lieber selbst oder über Deinen 3PL abwickelst (FBM), behältst Du die Kontrolle über Bestand, Verpackung und Versand. Mehr dazu liest Du in unserem Artikel zu Amazon FBM Ship+.

Kaufland ist in Polen mit Filialen seit Langem bekannt, der Online-Marktplatz ist dagegen jung: Kaufland.pl ging am 7. August 2024 online, mit über 2 Millionen Artikeln zum Start. Für Händler, die bereits auf kaufland.de verkaufen, ist Polen ein zusätzlicher Storefront im selben Konto. Ein Abo gilt laut Kaufland Global Marketplace für alle Länder, und die Provisionen sind in Polen niedriger als auf den anderen Kaufland-Marktplätzen: bei Computern und Elektronik zum Beispiel 4% statt 7%, bei Möbeln, Wohnen und Spielzeug 10% statt 13%. Produktdaten übersetzt Kaufland kostenlos.

Empik ist in Polen ein Begriff, ursprünglich als Buch- und Medienhändler mit rund 400 Filialen. Heute ist empik.com auch ein schnell wachsender Marktplatz: Laut Empik sind dort über 30.000 Verkäufer registriert, der Marketplace-Umsatz überstieg 2025 erstmals 1 Milliarde PLN (rund +40%) bei 27 Millionen Angeboten. Das Besondere: Rund ein Drittel der Marketplace-Bestellungen wird in den Empik-Filialen abgeholt.
Laut Empik können Unternehmen aus allen EU-Staaten verkaufen, wenn sie seit mindestens einem Monat registriert sind und aus der EU versenden. Listing- oder Kontogebühren gibt es nicht, fällig werden eine Provision und eine Plattformgebühr pro Bestellung. Stark ist Empik unter anderem bei Haus & Garten, Sport, Gesundheit & Beauty und Elektronik.

Erli startete 2020 und hat sich als Alternative zu Allegro etabliert. Laut den Geschäftszahlen für 2025 wuchs der Warenumsatz um 45% auf 1,8 Milliarden PLN, auf der Plattform waren 34.000 aktive Verkäufer unterwegs, und im Dezember 2025 kam Erli auf 10,3 Millionen monatliche Nutzer. Damit gilt Erli als größter Marktplatz Polens mit ausschließlich polnischem Kapital. Konditionen und Anforderungen für ausländische Händler veröffentlicht Erli nicht offen, hier lohnt sich der direkte Kontakt.

Für Fashion-Marken ist Zalando auch in Polen eine feste Größe. Das Partner-Programm startete in Polen im Mai 2018, laut Zalando erreichst Du damit rund 52 Millionen aktive Kunden in Europa. Gut zu wissen: Die Beauty-Kategorie ist auf zalando.pl nicht verfügbar. Einen Überblick über Marktplätze speziell für Kosmetik findest Du in unserem Artikel zu Kosmetik-Marktplätzen in Europa.

Decathlon öffnete seinen polnischen Onlineshop 2021 für externe Partner. Auf der Verkäuferseite von decathlon.pl sind Marken wie adidas und PUMA gelistet, im September 2026 waren dort rund 398.000 Artikel von Marketplace-Partnern zu finden. Für Sport- und Outdoormarken ist Decathlon damit ein spannender, fokussierter Kanal. Konditionen veröffentlicht Decathlon nicht öffentlich.

Im Elektronikhandel haben zwei polnische Händler ihre Shops für Partner geöffnet. Media Expert, laut Mediapanel im Mai 2026 mit 12,3 Millionen Nutzern eine der meistbesuchten Shoppingseiten des Landes, betreibt seit September 2025 einen Marktplatz für verifizierte Partner. Morele.net nennt 5 Millionen Kunden pro Monat und über 1.500 Verkäufer, die Teilnahme ist nur auf Einladung möglich. Die Provision fällt je Kategorie an, Versandkosten sind ausgenommen.

Kaum eine Plattform hat den polnischen Online-Handel so aufgemischt wie Temu. Im Gemius-Report 2025 nannten 32% der Befragten Temu spontan als Shopping-Plattform, ein Jahr zuvor waren es 20%. Von denen, die in ausländischen Onlineshops einkaufen, hat fast jeder Zweite (46%) bei Temu bestellt. Im Februar 2026 lag Temu bei der monatlichen Reichweite laut Mediapanel sogar vor Allegro.
Seitdem hat sich der Wind gedreht. Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU eine Gebühr von 3 € pro Warenkategorie auf Pakete aus Drittstaaten mit einem Warenwert bis 150 €. Im August 2026 erreichte Temu laut Mediapanel noch 12,8 Millionen Nutzer. Dazu kommt regulatorischer Druck: Die EU-Kommission verhängte im Mai 2026 eine Strafe von 200 Millionen Euro nach dem Digital Services Act, und die polnische Verbraucherschutzbehörde UOKiK belegte Temu im Januar 2026 mit einer Strafe von rund 5,9 Millionen PLN wegen fehlerhafter Angaben zu Rabatten.
Was heißt das für Dich? Für europäische Marken ist Temu vor allem ein Wettbewerber um Aufmerksamkeit und Preis, weniger ein naheliegender Verkaufskanal: Die Plattform lebt in erster Linie von Händlern aus China, und offene Konditionen für europäische Marken veröffentlicht Temu nicht. Die Lehre aus dem Temu-Boom ist trotzdem wertvoll. Polnische Kunden reagieren stark auf Preis und günstigen Versand. Wer dazu mit Marke, Qualität und schneller Lieferung aus dem Land punktet, ist gut aufgestellt.
Einige Plattformen haben in Polen riesige Reichweite, sind für europäische Marken aber nur eingeschränkt ein Verkaufskanal:
Polnische Sprache.
Das polnische Sprachgesetz verlangt, dass Angebote, Produktinformationen, Garantiebedingungen und Anleitungen für Verbraucher in Polen auf Polnisch vorliegen. Fremdsprachige Versionen sind nur zusätzlich erlaubt. Plane Übersetzungen und polnischsprachigen Kundenservice also von Anfang an ein.
Umsatzsteuer.
Versendest Du aus einem anderen EU-Land, gilt die EU-weite Lieferschwelle von 10.000 € für Fernverkäufe. Darüber hinaus fällt polnische Umsatzsteuer an, die Du über das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) melden kannst. Lagerst Du Ware in Polen, brauchst Du eine umsatzsteuerliche Registrierung in Polen.
Produktsicherheit.
Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR). Online-Angebote müssen unter anderem Angaben zu Hersteller und verantwortlicher Person in der EU sowie Warnhinweise in einer für Kunden verständlichen Sprache enthalten. Die Marktplätze prüfen außerdem nach dem Digital Services Act die Identität ihrer Händler, halte also Handelsregisterauszug und Firmendaten bereit.
Widerruf und Retouren.
Polnische Verbraucher haben wie in Deutschland ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Eine einfache Rückgabe, idealerweise über Paketautomaten, ist in Polen ein echtes Kaufargument.
Diese Punkte ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung, geben Dir aber eine gute Checkliste für das erste Gespräch.
Für den Einstieg kannst Du polnische Marktplatz-Bestellungen aus Deinem bestehenden Lager in Deutschland oder Österreich bedienen. Das ist schnell aufgesetzt, bedeutet aber längere Laufzeiten und oft höhere Versandkosten. Gerade auf Allegro zählt Tempo: Kunden vergleichen Lieferzeiten direkt in der Suche, und für das Smart!-Badge brauchst Du die volle Palette an Lieferoptionen.
Mit Bestand in Polen verschiebt sich das Bild. Du lieferst wie ein lokaler Shop, nutzt die Paketautomaten-Netze der polnischen Carrier und hast automatisch eine polnische Retourenadresse. Dafür brauchst Du eine polnische Umsatzsteuerregistrierung und eine gute Übersicht darüber, welcher Bestand wo liegt. Viele Händler starten deshalb mit einem Marktplatz oder einer Produktlinie in Polen und bauen von dort aus.
byrd betreibt einen Fulfillment-Standort in Polen und verbindet ihn mit Deinen Verkaufskanälen: Bestellungen von Allegro, Kaufland.pl, Empik und Amazon.pl (FBM) lassen sich an byrd anbinden und werden aus Polen erfüllt, zum Beispiel über ChannelEngine, das alle vier Marktplätze unterstützt, oder bei Amazon.pl auch über Billbee. Bestellungen bis 17:30 Uhr (Ortszeit) gehen noch am selben Tag raus, innerhalb Polens mit DHL und GLS, nach Deutschland mit DHL und in die übrigen EU-Märkte mit GLS. Retouren kommen in das polnische Lager zurück, werden geprüft und wieder eingelagert.
Du entscheidest, welche Marktplätze und Produkte Du über Polen abwickelst, und siehst Bestand, Bestellungen und Sendungen in einem Dashboard. Alle Details zum Standort findest Du auf unserer Seite zu Fulfillment in Polen. Und wenn Du Deinen Marktplatz-Mix für den DACH-Raum prüfen willst, hilft Dir unser Überblick zu den Online-Marktplätzen in Deutschland.
Was ist der größte Online-Marktplatz in Polen?
Allegro. Die Plattform hatte Ende Juni 2026 15,6 Millionen aktive Käufer in Polen und erzielte 2025 einen Warenumsatz von fast 70 Milliarden PLN.
Kann ich als deutsches Unternehmen auf Allegro verkaufen?
Ja. Unternehmen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum können sich bei Allegro registrieren. Angebote musst Du auf Polnisch anlegen, Allegro übersetzt sie anschließend automatisch für Tschechien, die Slowakei und Ungarn.
Gibt es Allegro auch in Deutschland?
Nein, Allegro betreibt Marktplätze in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Deutsche Händler können aber auf Allegro verkaufen und so Kunden in diesen Ländern erreichen.
Was kostet der Verkauf auf Allegro?
Das Einstellen von Angeboten ist kostenlos. Allegro berechnet eine Provision je nach Kategorie, zum Beispiel 2,5 bis 8% bei Elektronik. Neue Händler aus dem Ausland zahlen laut Allegro in den ersten 90 Tagen keine Verkaufsprovision (Stand: September 2026).
Muss ich meine Produkte auf Polnisch anbieten?
Ja. Das polnische Sprachgesetz verlangt polnischsprachige Angebote und Produktinformationen für Verbraucher in Polen, und Allegro akzeptiert Angebote nur auf Polnisch.
Brauche ich eine polnische Umsatzsteuernummer?
Nicht zwingend, wenn Du aus einem anderen EU-Land versendest und die OSS-Regelung nutzt. Sobald Du Ware in einem polnischen Lager hältst, brauchst Du eine umsatzsteuerliche Registrierung in Polen, meist zusammen mit Intrastat-Meldungen.