Inhaltsverzeichnis

Dein Kunde in Zürich freut sich auf sein Paket. Dann klingelt der Zusteller und will erst einmal Geld sehen. Für Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und eine Bearbeitungsgebühr, von denen beim Kauf nirgends die Rede war. Ob es so weit kommt, entscheidest Du mit zwei Kürzeln: DDP und DAP.

Beide stammen aus den Incoterms und regeln, wer beim Versand in ein Land außerhalb der EU Zoll und Steuern bezahlt. In diesem Beitrag erfährst Du, was DDP und DAP bedeuten, worin der Unterschied liegt und welche Variante für Deinen Onlineshop die bessere ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • DDP (Delivered Duty Paid): Du als Verkäufer übernimmst Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Einfuhrabfertigung. Dein Kunde zahlt bei der Zustellung nichts.
  • DAP (Delivered at Place): Du lieferst bis zur Haustür, Zoll und Einfuhrabgaben zahlt Dein Kunde bei der Zustellung, oft plus Bearbeitungsgebühr.
  • Relevant ist das nur für Lieferungen in Länder außerhalb der EU, etwa Großbritannien, die Schweiz oder Norwegen. Innerhalb der EU fällt kein Zoll an.
  • Für Onlineshops ist DDP meist die bessere Kundenerfahrung, DAP spart Dir Aufwand, kostet aber oft Retouren und Bewertungen.

Was sind Incoterms?

Incoterms sind Lieferbedingungen der Internationalen Handelskammer (ICC). Sie legen fest, wer beim Warentransport welche Aufgaben, Kosten und Risiken trägt. Die aktuelle Fassung sind die Incoterms 2020 mit elf Klauseln (ICC). Im klassischen B2B-Handel stehen sie im Kaufvertrag, im E-Commerce zeigen sie sich vor allem in der Frage, ob Dein Kunde an der Tür nachzahlen muss. Einen Überblick über weitere Logistik-Begriffe wie FOB findest Du in unserem Beitrag Logistik Begriffe: Milkrun, FOB Logistik und DDP Versand.

DDP und DAP: Die Bedeutung

DDP: Delivered Duty Paid

Bei DDP übernimmst Du als Verkäufer alles: Laut IHK Trier ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware zur Ausfuhr und Einfuhr freizumachen, und er trägt alle Kosten und die Gefahr bis zum Bestimmungsort. Für Deinen Kunden fühlt sich das an wie eine Bestellung im Inland: Er zahlt den Preis im Shop, und das war es.

DAP: Delivered at Place

Bei DAP lieferst Du die Ware ebenfalls bis zum Bestimmungsort und kümmerst Dich um die Ausfuhr. Die Einfuhrfreimachung liegt aber beim Käufer (IHK Trier). Im E-Commerce heißt das: Dein Kunde zahlt Zoll und Einfuhrumsatzsteuer bei der Zustellung, meist an den Paketdienst.

DDP vs. DAP: Der Unterschied im Überblick

  DDP DAP
Wer zahlt Zoll und Einfuhrumsatzsteuer? Du als Verkäufer Dein Kunde
Wer übernimmt die Einfuhrabfertigung? Du (bzw. Dein Dienstleister) Dein Kunde (bzw. der Paketdienst für ihn)
Überraschungen an der Haustür Keine Abgaben plus Bearbeitungsgebühr
Aufwand für Dich Höher: Abgaben kalkulieren, ggf. Registrierung im Zielland Geringer
Risiko verweigerter Annahmen Gering Höher

Guide Zum Grenzüberschreitenden E-Commerce in Der Europäischen Union

Was DAP Deine Kunden wirklich kostet: zwei Beispiele

Großbritannien: Bei Sendungen bis 135 £ berechnest Du die britische Umsatzsteuer schon beim Verkauf, bei Sendungen über 135 £ gelten die normalen Einfuhrregeln mit Einfuhrumsatzsteuer und gegebenenfalls Zoll (GOV.UK). Versendest Du DAP, zahlt Dein Kunde diese Abgaben plus Bearbeitungsgebühr: Royal Mail berechnet 8 £, Parcelforce 12 £ und bei Waren über 900 £ sind es 25 £ (Royal Mail). Wird nicht bezahlt, hält Parcelforce das Paket 21 Tage und schickt es dann zurück (Parcelforce). Was Du beim Verkauf nach UK sonst beachten musst, liest Du in unserem Guide Online nach Großbritannien verkaufen.

Schweiz: Laut der Stiftung für Konsumentenschutz berechnet die Schweizerische Post für Sendungen aus der EU 13 CHF pro Paket plus 3% des Warenwerts für die Verzollung. Liegen Mehrwertsteuer und Zoll unter 5 CHF, wird nichts erhoben. Andere Paketdienste wie UPS oder FedEx berechnen ihre Gebühren dagegen auch unterhalb dieser Grenze.

Gerade bei kleineren Warenkörben kann die Gebühr also einen spürbaren Teil des Bestellwerts ausmachen. Verweigert Dein Kunde deshalb die Annahme, geht das Paket an Dich zurück. Für Dich bedeutet das Rücktransport, Aufwand und einen enttäuschten Kunden, der so schnell nicht wieder bestellt.



DDP oder DAP: Was ist besser für Deinen Onlineshop?

DDP passt zu Dir, wenn Du regelmäßig in ein Nicht-EU-Land verkaufst, Deine Marke über das Einkaufserlebnis punkten soll und Du die Abgaben in Deine Preise einkalkulieren kannst. Dein Kunde sieht im Shop den Endpreis und erlebt keine Überraschung.

DAP kann sinnvoll sein, wenn Du einen neuen Markt erst testest, nur gelegentlich dorthin lieferst oder Deine Kunden überwiegend Geschäftskunden sind, die Einfuhrabgaben als Vorsteuer geltend machen und mit dem Prozess vertraut sind. Dann solltest Du im Shop aber klar kommunizieren, dass bei der Zustellung Abgaben anfallen.

Wichtig bei DDP: Je nach Zielland musst Du Dich dafür steuerlich registrieren, etwa für die britische Umsatzsteuer bei Direktverkäufen bis 135 £ (GOV.UK). Die Zollbefreiung für Sendungen bis 135 £ will die britische Regierung bis spätestens März 2029 abschaffen (DWF). Kläre die Details vor dem Start, am besten mit Deiner Steuerberatung.

DDP in der Praxis umsetzen

  • Endpreise im Shop anzeigen: Kalkuliere Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Gebühren pro Zielland ein oder rechne sie im Checkout aus.
  • Passenden Versandservice wählen: Prüfe, ob Dein Paketdienst für das Zielland einen DDP-Service anbietet, bei dem die Abgaben Dir statt Deinem Kunden in Rechnung gestellt werden.
  • Zolldaten sauber pflegen: Zolltarifnummer, Warenbeschreibung, Wert und Ursprung müssen für jedes Produkt stimmen. Wie das auf der Zollinhaltserklärung aussieht, zeigt unser Beitrag Das Zollformular leicht gemacht.
  • Lager im Zielmarkt prüfen: Verkaufst Du viel in ein Land, kann ein Lager vor Ort die Frage ganz erledigen. Dann führst Du die Ware einmal gesammelt ein und lieferst wie ein lokaler Händler.

Fazit: DDP ist meist die bessere Kundenerfahrung

DDP und DAP regeln dieselbe Frage, mit sehr unterschiedlichen Folgen für Deine Kunden. DAP spart Dir Aufwand, verschiebt die Kosten und das Ärgernis aber an die Haustür. DDP macht internationale Bestellungen so einfach wie eine Inlandsbestellung und ist deshalb für die meisten Onlineshops die bessere Wahl, sobald sie regelmäßig in Nicht-EU-Länder verkaufen.

Mit byrd lagerst Du Deine Ware in einem Netzwerk aus 12 Fulfillment-Centern in der EU und UK (byrd) und versendest über mehrere Paketdienste. Für Großbritannien kannst Du Deine Ware direkt in einem Lager in Großbritannien bereitstellen, sodass für Deine britischen Kunden weder Zoll noch Nachzahlung an der Tür anfallen. Du entscheidest, welche Produkte Du wo lagerst, und siehst Bestand, Bestellungen und Sendungen jederzeit in einem Dashboard.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen Überblick und ersetzt keine Steuer- oder Zollberatung.

Häufige Fragen zu DDP und DAP

Was bedeutet DDP?
DDP steht für Delivered Duty Paid, also geliefert verzollt. Der Verkäufer übernimmt Transport, Ausfuhr, Einfuhr sowie Zoll und Einfuhrumsatzsteuer bis zum Bestimmungsort.

Was bedeutet DAP?
DAP steht für Delivered at Place, also geliefert benannter Ort. Der Verkäufer liefert bis zum Bestimmungsort, die Einfuhrabfertigung und die Einfuhrabgaben übernimmt der Käufer.

Was ist der Unterschied zwischen DDP und DAP?
Der Unterschied liegt bei der Einfuhr: Bei DDP zahlt der Verkäufer Zoll und Einfuhrumsatzsteuer, bei DAP der Käufer. Bis zum Bestimmungsort liefern in beiden Fällen Du bzw. Dein Paketdienst.

Brauche ich DDP oder DAP innerhalb der EU?
Nein. Innerhalb der EU fallen keine Zölle an, die Frage stellt sich nur bei Lieferungen in Länder außerhalb der EU, etwa nach Großbritannien, in die Schweiz oder nach Norwegen.

Ist DDP teurer als DAP?
Für Dich als Verkäufer ja, weil Du die Abgaben übernimmst. Insgesamt kann DDP aber günstiger sein, wenn Du dadurch weniger verweigerte Annahmen, Retouren und Supportanfragen hast.