Jahrelang war die sogenannte De-Minimis-Grenze ein Treiber des E-Commerce-Booms in Europa. Sendungen mit einem Warenwert unter 150€ konnten zollfrei in die Europäische Union eingeführt werden. Diese Ära endet jetzt.
Ab dem 1. Juli 2026 schafft die EU diese Freigrenze ab.
Das ist ein grundlegender Einschnitt in die Unit Economics beim Verkauf nach Europa. Egal, ob Du eine US- oder kanadische Direct-to-Consumer-Brand bist, ein Seller aus dem Vereinigten Königreich, ein Dropshipper aus Asien oder aus einer anderen Region außerhalb der EU. Die neuen Regeln wirken sich direkt auf Deine Kosten, Lieferzeiten und Kundenbindung aus.
Da die Frist schnell näher rückt, beleuchtet dieser Artikel die technische Realität der Änderungen. Wir schauen uns die neuen „Duty Buckets“ an, über die kaum jemand spricht, und zeigen Dir, wie Du Deine Fulfillment-Strategie anpassen kannst, um profitabel zu bleiben.
Bisher waren Warenimporte in die EU mit einem Wert von bis zu 150€ von Zöllen befreit. Die Mehrwertsteuer fiel an, Zölle jedoch nicht. Diese Ausnahme hat den Aufstieg günstiger Direct-to-Consumer-Importe maßgeblich befeuert.
Diese Ausnahme wird abgeschafft.
Ab dem 1. Juli 2026 plant die EU die Einführung eines sogenannten „statistical duty“ auf niedrigpreisige E-Commerce-Importe. Diese Maßnahme ist als Übergangslösung gedacht, bis die umfassende Zollreform im Jahr 2028 greift.
Dieser Zoll wird mit 3€ angegeben, doch hier liegt die entscheidende Nuance:
Warnung für Händler: Sollte der finale Gesetzestext die Anwendung pro Artikel bestätigen, wird die klassische Cross-Border-Strategie, günstige Artikel zu bündeln, um den AOV zu steigern, Deine Margen massiv zerstören.
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Neue Gebühren gelten bereits seit Januar 2026 Während die EU-weite Abschaffung von De Minimis für den 1. Juli 2026 geplant ist, haben einige Länder bereits nationale Maßnahmen eingeführt, die seit dem 1. Januar 2026 gelten.
Status: Wenn Du heute bereits DDP (Delivered Duty Paid) in diese Märkte lieferst, sind Deine Margen davon schon betroffen. |
Der 3€-Zoll ist nur eine Übergangslösung. Sobald der EU Customs Data Hub vollständig einsatzbereit ist, voraussichtlich ab 2028, sollen Zölle ab dem ersten Euro anhand eines neuen „Simplified Tariff Treatment“ erhoben werden.
Statt tausender HS-Codes werden B2C-Waren voraussichtlich in fünf „Duty Buckets“ eingeteilt:
Hinweis: Die Sätze basieren auf aktuellen Vorschlägen aus Q1 2026 und dienen zur Veranschaulichung.
Das vereinfacht die Klassifizierung und stellt sicher, dass künftig kaum noch Waren zollfrei in die EU gelangen.
Neben Zöllen und Mehrwertsteuer müssen Händler auch Zollabfertigungsgebühren berücksichtigen.
Diese werden von Versanddienstleistern für die Zollabwicklung erhoben und sind häufig:
In vielen Fällen schadet die Handlinggebühr der Conversion stärker als der Zoll selbst.
Genau deshalb sind Transparenz und Fulfillment-Standorte innerhalb Europas unter den neuen De-Minimis-Regelungen wichtiger denn je.
Ab Mitte 2026 fallen bei niedrigpreisigen Sendungen zusätzliche Zollkosten an. Deine Margen geraten unter Druck.
Der Import One-Stop Shop bleibt der effektivste Weg, um die Mehrwertsteuer für niedrigpreisige B2C-Sendungen in die EU zu managen.
Ohne IOSS:
Diese Kombination ist ein nachweislicher Conversion-Killer.
Wenn Du Waren gebündelt importierst und Bestellungen innerhalb der EU abwickelst, kannst Du:
Marktplätze, die lange auf Direktversand aus China gesetzt haben, lokalisieren ihr Fulfillment jetzt aggressiv.
China-E-Commerce-Experten wie Ed Sander von Tech Buzz China weisen darauf hin, dass Zölle agile Player nicht stoppen werden. Sie passen sich an und agieren einfach als „lokale“ Seller.
Wenn selbst die größten Cross-Border-Player der Welt ihre Ware in die EU verlagern, um diese Gebühren zu umgehen, solltest Du das ebenfalls ernsthaft prüfen. Die Zeit, in der einzelne Bestellungen direkt aus Übersee verschickt wurden, geht zu Ende.
Model best and worst cases:
Stelle sicher, dass Deine IOSS-Registrierung gültig ist und korrekt umgesetzt wird. Ohne IOSS zahlen Kunden Mehrwertsteuer, Zoll und Handlinggebühren bei der Zustellung.
Stell Dir folgende Fragen:
Für viele Brands lautet die Antwort bereits heute ja.
Die neuen Regelungen zwingen zu einer ehrlichen Neubewertung Deiner Unit Economics. Sich weiterhin auf die alte 150€-De-Minimis-Grenze zu verlassen, ist keine tragfähige Wachstumsstrategie mehr.
Du musst die konkreten Auswirkungen des 3€-Zolls auf Deine einzelnen SKUs genau berechnen. Die Daten zeigen klar, dass für die meisten volumenstarken Händler der effektivste Weg zur Sicherung der Marge darin besteht, Lagerbestand näher an den Endkunden zu bringen.
Rechne die Zahlen für Deine Top-Seller frühzeitig durch. Du musst wissen, ob Dein aktuelles Setup auch nach Inkrafttreten der neuen Regeln im Juli noch profitabel ist.